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Neue Informationen zum Thema Kunstrasen mit SBR-Granulat

Vertiefende Informationen zur Evaluierung des (Gesundheits)Risikos durch Substanzen in Recyclinggranulaten durch die ECHA (European Chemical Agency).

Ausgangssituation

In letzter Zeit ist die Frage einer allfälligen Gesundheitsgefährdung durch Verfüll-Granulate in Kunststoffrasenbelägen international sowie national breit diskutiert und medial transportiert worden. Auslöser war eine in den USA bekannt gewordene Beobachtung von Krebsfällen bei jungen Fußball-Torfrauen, welche mit der Benutzung von Kunstrasenbelägen mit Recycling-Infill in Verbindung gebracht wurde. Vergangenes Jahr wurden hierzu auch Bedenken in Europa geäußert, ausgehend von zwei niederländischen Fernsehdokumentationen.

Die Diskussion zu Gesundheitsfragen konzentriert sich gegenwärtig auf Plätze mit SBR-Granulat-Infill (SBR für: Styrol-Butadien-Rubber) aus recyclierten Altreifen, das sich vornehmlich als schwarzes Granulat auf Kunstrasenplätzen findet. Im Fokus stehen die den Reifen beigefügten Weichmacher und deren PAK-Anteile (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe). Während zahlreiche internationale Studien über viele Jahre von einer mit ubiquitären Verhältnissen vergleichbaren Gefährdung ausgegangen sind, wird das Risiko einer Aufnahme von PAKs bei Sportausübung auf Belägen, die solche Stoffe beinhalten, nunmehr neu bewertet.

Das Thema beschäftigt auch die Europäische Kommission, die ihrerseits im Jahr 2016 die ECHA (European Chemical Agency) mit einer Evaluierung möglicher Gesundheitsrisiken durch recyceltes Gummigranulat, das als Infill auf Kunststoffrasenspielfeldern verwendet wird, beauftragt hat.

Auf nationaler Ebene hatte das ÖISS, das Österreichische Institut für Schul- und Sportstättenbau, dessen Richtlinie in Verbindung mit der bestehenden Europäischen Norm die Anforderungen an Kunststoffrasenbeläge in Österreich regelt, für den geplanten Bau von Kunststoffrasenplätzen mit SBR-Granulat ein Zuwarten bis zum Vorliegen der Ergebnisse der ECHA-Evaluierung empfohlen.

Evaluierung der ECHA

Die Ergebnisse der ECHA-Evaluierung liegen mit Datum 28.Februar 2017 vor und können unter https://echa.europa.eu/-/recycled-rubber-filling-in-artificial-sports-grounds-causes-at-most-a-very-low-level-of-concern nachgelesen werden.

Methodik

Die ECHA-Evaluierung basiert auf verfügbaren Studien von annähernd 10 Mitgliedsstaaten – z.B. Finnland, Italien, Niederlande, Portugal und dem Vereinigten Königreich (UK) – und umfasst 50 Proben von neuem Reifen-Granulat sowie mehrere hundert Proben von mehr als 100 Spielfeldern. Darüber hinaus wurden aktuell vorliegende Daten der Industrie zu Messungen an Reifen und Granulat-Produkten verwertet.

Die ECHA hat in ihrer Evaluierung die Risiken für spielende Kinder, für erwachsene Profi-Sportler/innen und für Arbeiter/innen, die die Plätze einbauen oder in Stand halten, untersucht. Dabei hat die ECHA den Kontakt mit Gummigranulat über die Haut, durch orale Aufnahme, durch Einatmung von Substanzen, die aus den Granulaten ausdampfen sowie von Granulat-Staub berücksichtigt.


Ergebnisse und Empfehlungen

Die ECHA hat festgestellt, dass die in vorliegenden Proben aus dem EU-Raum typischerweise enthaltenen PAK-Konzentrationen sehr niedrig sind und ihre Bedenken bezüglich eines Langzeit-Krebsrisikos für Spieler/innen und Arbeiter/innen daher als sehr gering eingestuft.

Auf Basis dieser Feststellungen sieht die ECHA keine Gründe, Warnungen bezüglich der Sportausübung auf Kunststoffrasenplätzen mit recyclierten Gummigranulaten auszusprechen.

Gleichzeitig geht aus der Evaluierung der ECHA hervor, dass die festgestellten geringen PAK-Konzentrationen weit unter den derzeit gültigen Grenzwerten gemäß REACH (Entry 28 in Annex XVII) liegen. Seitens der ECHA würden aber PAK-Konzentrationen, die diese Grenzwerte annähernd ausschöpften, keinesfalls mehr als sehr geringes Risiko eingestuft werden. Um zu gewährleisten, dass nur Granulat-Produkte mit geringer Konzentration an PAK und anderen gefährlichen Stoffen auf den Kunststoffrasenplätzen zum Einsatz kommen, hat die ECHA daher eine Änderung der diesbezüglichen Bestimmungen gemäß REACH empfohlen.

Während die Industrie informierte, dass das meiste des in der EU ausgebrachten Granulats aus Reifen bestünde, die in der EU produziert wurden, gibt es für die ECHA dennoch Unsicherheit, in wie weit die vorliegenden Proben mit den festgestellten geringen PAK-Gehalten für den gesamten EU-Raum repräsentativ sind. Die Empfehlungen der ECHA richten sich daher u.a. an die Hersteller von Granulat-Infill sowie an Eigentümer und Betreiber von Kunststoffrasen-Sportplätzen mit SBR-Granulat und zielen darauf ab, die Konzentrationen von PAK und anderen gefährlichen Substanzen in den Granulaten zu prüfen sowie diese Informationen zur Verfügung zu stellen.

Die ECHA betont weiter, dass ihre Stellungnahme als vorläufig zu werten ist. 2017 wird unter anderem das Ergebnis einer breit angelegten Untersuchung in den USA erwartet. In Europa ist gleichfalls eine weitere detaillierte Studie in Ausarbeitung.


Nächste Schritte in Österreich

  • Seitens des ÖISS wird sichergestellt, dass die geplanten neuen Grenzwerte für den PAK-Gehalt und andere gefährliche Stoffe in recyclierten Gummigranulate gemäß REACH unmittelbar in einer künftigen Neufassung der ÖISS-Richtlinie „Anforderungen an Kunststoffrasenbeläge“ abgebildet werden.


  • Um bis zur Vorlage der neuen Grenzwerte gemäß REACH heimische Projekte bestmöglich zu unterstützen und gleichzeitig eine möglichst hohe Sicherheit für die Aktiven zu gewährleisten, ist eine Zwischenfassung der ÖISS-Richtlinie „Anforderungen an Kunststoffrasenbeläge“ geplant. Diese wird Richt- bzw. Orientierungswerte für den PAK-Gehalt von recyclierten Gummigranulaten vorsehen, die den seitens der ECHA als unbedenklich eingestuften Konzentrationen der vorliegenden Proben entsprechen.


  • Die der vorliegenden ECHA-Evaluierung zugrunde gelegten Daten umfassen keine Proben aus Österreich. Umso wichtiger erscheint es, der Empfehlung der ECHA zur Testung der PAK-Konzentrationen in recyclierten Gummigranulaten auf heimischen Plätzen nachzukommen.


  • Vertiefende Informationen können direkt beim ÖISS eingeholt werden.